Tradition der Lichtzepter

Lichtzepter am Eingang Untermarkt | Foto: Laura Hummel
Lichtzepter am Eingang Untermarkt | Foto: Laura Hummel

Die bis zu drei Meter hohen Zepter waren aus einer Spindel mit mehreren Holzreifen gefertigt. Die Reifen boten Platz für Kerzen und wurden zusätzlich festlich geschmückt. Dazu verwendete man kleine Sträußchen aus Buchsbaum, gedrechselte und golden bemalte Holzäpfel, Lametta und Glaskugeln.

Das Aufstellen des Licht- oder Weihnachtszepters war in einigen Gegenden des protestantischen Niederschlesiens ein Brauch, der 1698 erstmals erwähnt wird. Im 19. Jahrhundert verdrängte der bunt geschmückte Weihnachtsbaum langsam die Zepter, so dass sie in weiten Teilen Schlesiens bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwunden waren.

In Probsthain, Kreis Goldberg, aber lebte diese Tradition bis Weihnachten 1944 fort. In zwei Teile zerlegt, konnten die zu Hause geschmückten Zepter am Heiligen Abend zum Weihnachtsgottesdienst in die Kirche getragen werden, um dort in vorbereiteten Positionen auf der obersten von drei Emporen angebracht zu werden. So entstand in der Probsthainer Kirche eine besonders eindrucksvolle Kulisse: 24 solcher Zepter und bis zu 1000 weitere Kerzen erleuchteten die Kirche und erzeugten eine sehr feierliche Atmosphäre.

 

Diese Tradition war vor 1945 weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und viele Gäste von außerhalb besuchten deshalb die Christnacht in diesem Ort.